RAPID RABBIT — BESCHLEUNIGTE BILDWELTEN
fand 2011 mit wöchentlichen Veranstaltungen in FRISE Hamburg statt
FRISE Künstlerhaus Hamburg
Arnoldstraße 26

Rapid Rabbit shows tail
30 Wochen Veranstaltungen
Das Programm 2011 in 5 Blöcken zum Ausklappen!

RABBIT'S TRAIL

Hase & Igel

Schlange & Löwe

Maus & Elephant

Schweine & Weltall

Herr & Huhn

HASE & IGEL | MITTWOCH 6. APRIL: DON'T READ BOOKS
kopiert, geklaut, auf unbestimmte Zeit geborgt.

Studenten der HfbK (Klasse Jeanne Faust) geben ihren Kommentar:
Andrea Becker-Weimann, Carsten Benger, Stefan Brüggemann, Jens Franke, Anna Hartlaub, Marco Kunz, Moritz Sänger, Felix Thiele, Nina Wiesnagrotzki

Am Mittwoch, 6.April, stellte eine Gruppe aus der Klasse von Jeanne Faust, HfbK, aus. Die Gruppe hatte ca. ½ Woche Zeit, ihre Auseinandersetzung mit dem Thema des diesjährigen Ausstellungszyklus in der FRISE zu debattieren, zu entwickeln, auszuprobieren. Wie die Mitglieder der Gruppe mit lässiger Ironie kommentierten, setzten sie die einzelnen Beiträge alle drei Stunden neu um, neu zusammen, bis sie zu einem für alle überzeugenden Ausstellungskonzept gekommen waren.

Dieses war, wie auch die zahlreich gekommenen Besucher fanden, sehr gelungen. Es war eine Mischung von Arbeiten, die unterschiedliche Medien-Möglichkeiten involvierten. Eindrucksvoll war die Fähigkeit der Gruppe, eine Situation zu schaffen, in der es weniger wichtig war, dass jeder der Studenten seine eigenen kleinen ‚Anbieter-Messestand’ wie ein letztes privates Revier verteidigte, sondern dass die Arbeiten sich wechselseitig ergänzten und so etwas wie flüchtige, aber intensive Kommentare zu offiziellen, doktrinären Medienüberwältigungen entwarfen.

Insofern lassen sich drei Arbeiten exemplarisch zitieren, ohne damit die Struktur der Ausstellung aufbröseln zu wollen. Einer der Studenten nutzte zwei der Monitore des Medienlab im vorderen FRISE-RAUM und spielte mit einem Microsoft Bildschirmschoner, nur kamen einem nun auf der einen Seite die artifiziell programmierten Sterne entgegen, während sie sich auf dem anderen Bildschirm entfernten – und der User konnte in einer unscheinbaren Verschiebung sich in einem ambivalenteren Feld wieder finden als dem des simplen ‚Kosmos-Sogs’. Eine Studentin hatte in Tafeln der Sehschärfeprüfung beim Optiker oder Augenarzt durch flüchtige graphische Manipulationen einen überraschenden Satz geschmuggelt : „take me to the other side” (vielleicht hier nicht absolut richtig ‚gelesen’), wodurch die rationale Schärfe der Sehprüfung und die Wunschdimension der Passage in ein Beyond wie ein Lese-Verwechslungshauch fühlbar wurde. Ein Video, in dem – by chance oder mit Absicht – mit einer Hantel wie zufällig ein Aquarium zertrümmert wurde, dessen auslaufendes Wasser, sobald mit einem Eimer abgefangen, den Video-Cut auslöste, weckte sicherlich unwillkürlich aktuelle Reminiszensen an fatale Verschränkungen von Zufall und deregulierten ‚Nachlässigkeiten’.

Summa summarum: Die Studenten arbeiteten mit sich ergänzenden künstlerischen Gesten, die sich wechelseitig aufluden, Skeptis gegenüber einer Medienhierarchie der offiziellen Kontrolle (im Sinne von Deleuze’ Kritik der Kontrollgesellschaft) und sabotierten diese so, dass sie ein politisch-kulturell kreatives Assoziationengeflecht bei Betrachtern auslösen konnten. FRISE möchte daher den Studenten der Klasse Jeanne Faust für ihre gelungene Intervention danken und hofft, dass weitere Einladungen von Kunsthochschulklassen jeweils zum Ende eines Blocks der Frise-Sequenzen ähnlich überraschend, kreativ und beeindruckend werden.