RAPID RABBIT — BESCHLEUNIGTE BILDWELTEN
fand 2011 mit wöchentlichen Veranstaltungen in FRISE Hamburg statt
FRISE Künstlerhaus Hamburg
Arnoldstraße 26

Rapid Rabbit shows tail
30 Wochen Veranstaltungen
Das Programm 2011 in 5 Blöcken zum Ausklappen!

RABBIT'S TRAIL

Hase & Igel

Schlange & Löwe

Maus & Elephant

Schweine & Weltall

Herr & Huhn

MITTWOCH 29. Juni | Ab 20 Uhr
Fadenäume

Jeongmoon Choi

Seit einigen Jahren arbeitet Jeongmoon Choi mit Schwarzlicht. Wollfäden zeichnen das Outline von Räumen und Einrichtungsgegenständen in mal geometrisch entschiedener, mal handschriftlich lebendiger Weise nach. Das UV-Licht splittet das Reflexlicht der Fadenzeichnung von dämmrig zurücktauchenden Wandoberflächen. Fadengitter und -raster durchqueren die Räume, entwerfen labyrinthische Raumbezüge oder kuppelartige Wölbungen, Räume und Raumbezüge magisch-poetisch transformierend. Mit souveräner Phantasie, Eleganz und unglaublicher Schönheit wird ein Konstrukt von Grenzziehungen und grenzenlosem Kontinuum in der Schwebe gehalten.

Fadenräume

Eine Linie ziehen, heißt eine Entscheidung treffen für einen zeitlichen Weg im Raum. Deren Richtungsänderung erzeugt ein Feld, dann einen Raum, der sich dem formlosen Unendlichen widersetzt, eine Ausgrenzung. Soweit das traditionelle Verständnis. Jedoch, die Linie bleibt beweglich, auf jedem Punkt ihres Weges virtuell mehrdimensional. Dahin ziehend jedoch, widersetzt sie sich der Verführung durch den tendenziell grenzenlosen Raum. Das UV-Licht, reflektiert von der Materie der Wollfäden, befördert mit seinem Flirren das Aufweichen der Grenzen, mildert die haptische Greifbarkeit des Raumes.

Jeongmoon Choi's UV-Rauminstallationen, auch dort, wo die Fäden sich auf die Raumgrenzen beziehen, diese nachzeichnend artikulieren, ertastend berühren, machen den paradoxen Doppelcharakter der Raumwahrnehmung erfahrbar. Das Reflexlicht der Fäden versetzt den Raum in eine grenzüberschreitende Schwingung. Deren durchlässiges Outline bringt ihn in Beziehung zum grenzenlosen Kontinuum, während die physischen Raumgrenzen, schattenhaft im Dämmer verschwimmend, erhalten bleiben. Grenzen und Grenzenlosigkeit verlieren im produktiven Wechselspiel ihre starre Entgegensetzung.

Ursula Panhans-Bühler